Ausgabe Februar 1992

Zwei Welten

Jugendkultur und Jugendverbände

Der Rückzug und die Resignation vieler Jugendlicher ist soweit fortgeschritten, daß Jugendliche heute in der Öffentlichkeit überwiegend als Problemgruppe wahrgenommen werden: Im Osten (und Westen) Deutschlands aufgeschreckt von den neonazistischen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen; im Westen (und Osten) Deutschlands alarmiert durch das distanziert-apathische Verhältnis zur Politik, gleichgültig welche Agenten sie im parteilichen, staatlichen oder nicht-institutionellen Arbeitszusammenhängen vertreten. Das Versagen der politisch Verantwortlichen könnte durch nichts eindrucksvoller illustriert werden als durch die JugendpolitikDebatte am 12. Dezember 1991 im Bundestag. Der achte Jugendbericht - eine durchaus brauchbare Bestandsaufnahme - lag zwei Jahre in den Schränken der Ministerialbürokratie herum, ehe die Ergebnisse in der Jugendpolitik-Debatte zur Sprache kamen. Angela Merkel, vom Bundeskanzler zu höheren Weihen auserkoren, weil sie jung, weiblich, ostdeutsch und arglos ist, morlisierte im Bundestag über die wachsende Kluft zwischen Jugend und Politik.

Sie verwies auf sozialwissenschaftliche Studien (vgl. Anm. 4), nach denen 80% der Jugendlichen sich von der Politik hintergangen oder betrogen fühlen. Jeder zweite halte es für unwahrscheinlich, daß die Politiker zukunftsbedrohende Herausforderungen konsequent angehen. Nur 16% trauten der Politik eine Problemlösung zu.

Februar 1992

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