Ausgabe Januar 1994

Italienische Zustände

Oder: Das Ende der blockierten Demokratie?

Von Ulrich Hausmann Nimmt man die Kommunalwahlen aus dem Frühsommer dieses Jahres, bei denen es vor allem um die Kommunen in Piemont und der Lombardei ging, und die gerade stattgefundenen, bei denen u.a. Rom, Neapel, Palermo, Genua, Triest und Venedig zur Disposition standen, dann muß man feststellen: Die Zeit der ersten italienischen Republik ist abgelaufen. Im Frühsommer waren die Christdemokraten und Sozialisten noch mit eigenen Listen angetreten, mußten aber verheerende Einbußen von 20% und mehr hinnehmen. Die Sozialisten schrumpften zu einer vernachlässigenswerten Splittergruppe um 1%. Die erste Etappe der Kommunalwahlen brachte einen überwältigenden Sieg der Lega Nord, der es gelang, in vielen Städten, unter anderem auch in Mailand (Formentini), den Bürgermeister zu stellen. Im zweiten Gang traten die traditionellen Parteien außer dem MSI, den Neofaschisten, als solche kaum noch in Erscheinung. Im ersten Wahlgang hatte vor allem in Rom und Neapel der MSI in dieser Höhe überraschende Stimmenanteile von ca. 33% für seine Listen und mehr als 40% für seine Direktkandidaten erhalten, schlußendlich aber siegten vor allem von PDS und Grünen sowie lokalen Listenverbindungen getragene Kandidaten. Ausgang und Verlauf der Wahlen wurden auch durch das neue Kommunalwahlrecht geprägt, das im Jahr zuvor per Referendum durchgesetzt worden war. Danach wird der Bürgermeister direkt gewählt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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