Ausgabe Januar 1994

Italienische Zustände

Oder: Das Ende der blockierten Demokratie?

Von Ulrich Hausmann Nimmt man die Kommunalwahlen aus dem Frühsommer dieses Jahres, bei denen es vor allem um die Kommunen in Piemont und der Lombardei ging, und die gerade stattgefundenen, bei denen u.a. Rom, Neapel, Palermo, Genua, Triest und Venedig zur Disposition standen, dann muß man feststellen: Die Zeit der ersten italienischen Republik ist abgelaufen. Im Frühsommer waren die Christdemokraten und Sozialisten noch mit eigenen Listen angetreten, mußten aber verheerende Einbußen von 20% und mehr hinnehmen. Die Sozialisten schrumpften zu einer vernachlässigenswerten Splittergruppe um 1%. Die erste Etappe der Kommunalwahlen brachte einen überwältigenden Sieg der Lega Nord, der es gelang, in vielen Städten, unter anderem auch in Mailand (Formentini), den Bürgermeister zu stellen. Im zweiten Gang traten die traditionellen Parteien außer dem MSI, den Neofaschisten, als solche kaum noch in Erscheinung. Im ersten Wahlgang hatte vor allem in Rom und Neapel der MSI in dieser Höhe überraschende Stimmenanteile von ca. 33% für seine Listen und mehr als 40% für seine Direktkandidaten erhalten, schlußendlich aber siegten vor allem von PDS und Grünen sowie lokalen Listenverbindungen getragene Kandidaten. Ausgang und Verlauf der Wahlen wurden auch durch das neue Kommunalwahlrecht geprägt, das im Jahr zuvor per Referendum durchgesetzt worden war. Danach wird der Bürgermeister direkt gewählt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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