Ausgabe Oktober 1994

Kulturkampf American Style

Die Abstimmung im amerikanische Kongreß über die von Präsident Clinton veranlaßte Gesetzesinitiative, die die Einrichtung eines staatlich moderierten Nationalen Gesundheitssystems vorsieht, ist vorerst bis nach den Kongreßwahlen im Herbst verschoben. Wie kein zweiter Anlaß in der jüngeren amerikanischen Geschichte mobilisiert dieses Reformvorhaben sich bedroht fühlende Interessengruppen und entsprechende Lobbygelder. Eine beispiellose Medienkampagne zur Verhinderung des Clinton-Plans setzte bereits beim Bekanntwerden des Vorhabens die Gesundheitsindustrie in Gang. Soweit die gewöhnliche Rationalität einer pluralistischen Gesellschaft, in der eben ökonomische Interessengruppen ihre Pfründe verteidigen.

Die Kampagnen, die gegenwärtig gegen den 42. US-Präsidenten Bill Clinton und seine Frau Hillary geführt werden, gehen aber weit über die Gegenwehr alarmierter Pharmaindustrieller und Versicherungstycoone hinaus. Sie erfassen die Denk- und Schaltzentralen des konservativen Lagers. Der politische Publizist George F. Will, dessen Kommentare stets eine faszinierende Lektüre sind, weil er nicht nur die konservativen Parolen ausgibt, sondern sie häufig auch gleich für den mitlesenden Zeithistoriker strategisch erläutert, hat die tieferen Gründe für den konservativen Feldzug gegen die Clintons kürzlich in einer seiner Kolumnen offenbart.

Oktober 1994

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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