Als das Großdeutsche Reich endlich besiegt war und die halbe Welt voller Verachtung auf eine Nation blickte, die die Schuld ungeheuerlicher Verbrechen auf sich geladen hatte, suchten diejenigen, in deren Namen diese Verbrechen begangen worden waren, um die Schande zu mindern, nach den Strohhalmen, mit deren Hilfe sie hofften, sich ins Reich der Moral retten zu können. Es mußte doch noch etwas anderes gegeben haben als den Jubel über die braune Diktatur oder die gehorsame Unterwerfung unter deren Bedingungen, nicht nur den Staat der braunen Batallione, der Gestapo und der Waffen-SS, sondern ein anderes Deutschland, ein besseres Deutschland, bessere Deutsche eben. Die hat es in der Tat gegeben, vor allem in der Emigration, aber auch mitten im Lande der Unmenschlichkeit. Systemgegner, Widerständler, Verweigerer. Nur Kommunisten durften sie nicht gewesen sein, möglichst auch keine Einzeltäter wie Georg Elser oder der unglückliche Schweizer Bavaud, dem kalt war in Brandenburg. Die wurden so schnell vergessen oder übersehen wie der gesamte proletarische Widerstand. Es wurde alles reduziert auf die Geschwister Scholl und die Offiziere des 20. Juli, die ein elendes Ende gefunden hatten.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.