Ausgabe Mai 1995

Rückbindungen deutscher Außenbeziehungen

Noch nie war es einfach zu definieren, was "Deutschland" heißt. Der Nationalstaat ist hier eine schwierige Kategorie, und sie wird immer problematischer. Sie erfaßt Wichtiges, aber bei weitem nicht alles: Bundesländer und Regionen (auch grenzübergreifende wie Bodensee oder Ostsee) wirken "von unten", während transnationale Akteure und Regime die (national-)staatliche Ebene "von oben" überwölben (EU, GATT, Europarat etc.). Wir wollen "Deutschland" pragmatisch als Bezeichnung für das Territorium der Bundesrepublik verwenden.

Gibt es kollektive "deutsche" Interessen?

Den Raum haben wir vorläufig definiert. Gelten für diesen Raum eigene Interessen? Können wir spezifisch "deutsche" Interessen bestimmen? Wenn die Kategorie des Nationalstaats unzureichend ist, lassen nationale Interessen sich nur schwer definieren.

Darüber hinaus sind Interessen akteursabhängig, und Akteure - auch relevante - finden sich viele. Gibt es deshalb nur die je spezifischen Interessen einzelner Gruppen oder Einrichtungen - wie Bundesbank, Kohlebergbau, Luftfahrtindustrie, Werften, ÖTV, IG Metall, Mediengruppen, religiöse Gemeinschaften, Bundesländer usw.? Alle diese Akteure und Lobbies reklamieren ihre eigenen Interessen, auch außenpolitisch - zumindest über die EU vermittelt. All diese vested interests gibt es.

Mai 1995

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