Ausgabe September 1996

Kirche & Staat und der beiden liebstes Kind

Wenn sich Hans Küng oder Eugen Drewermann zu Kirchenfragen äußern, so dauert es meist nicht lange, bis die ersten "Häresie"-Rufe erschallen. Anders war das bei Oswald von Nell-Breuning, der sich als kritischer, aber braver Katholik mit Adjektiven wie "abscheulich" und "grundgesetzwidrig" über die (vor dem Hintergrund des jüngsten Urteils des Bundesverfassungsgericht zum Thema "Trennung von Kirche und Staat" reanimierte) politische Leiche "Kirchenfinanzierung" ausließ. 1) In dazu öffentlich geführten Debatten wird Liberalen - man denke an Stefan Bajohr oder Daniel Kreutz im NRW-Landtag - Kirchenfeindlichkeit, Verfechtern der bisherigen Finanzierungswege im Gegenzug reaktionäres, voraufklärerisches Denken vorgeworfen. Vielleicht lohnt es gerade deshalb, häufig aufgeworfene Fragen erneut zu stellen, z.B. die nach den Einnahmequellen der Kirchen. Da sind zunächst die freiwilligen Leistungen wie Spenden, Einkünfte aus dem Klingelbeutel oder Meßstipendien als klassische Einnahmequellen der Katholischen Kirche, die der jeweiligen Pfarrei, dem Bistum oder der Gesamtkirche zugutekommen.

Sie haben gemein, daß sie in den Haushalten der deutschen Bistümer in der Regel nicht aufgeführt und in den Haushaltsplänen der einzelnen Pfarreien selten oder gar nicht ausgewiesen werden.

September 1996

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der ökologische Antikapitalist: Das Erbe von Papst Franziskus

von Wolfgang Sachs

Als am 8. Mai dieses Jahres weißer Rauch über dem Vatikan aufstieg und zur Überraschung vieler mit Papst Leo XIV. – oder bürgerlich Robert Francis Prevost – der erste US-Amerikaner zum Papst gekürt worden war, war eines jedenfalls sofort klar: Dieser Papst ist ein direktes Vermächtnis des Pontifikats seines Vorgängers.

Friedrich Schorlemmer: Theologe, Autor, Widerständler

von Bettina Röder

Am 9. September starb der wortmächtige Theologe und mutige Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Seit 1990 gehörte er zum Herausgeberkreis der »Blätter«. Alljährlich nahm er an unseren Herausgeberkonferenzen teil. Wir erinnern an Friedrich Schorlemmer mit einem Nachruf seiner Weggefährtin, der Journalistin Bettina Röder, sowie mit seinen eigenen Worten.

Weltkirchenrat: Man spricht deutsch!

von Christoph Fleischmann

Internationale Treffen auf deutschem Boden haben ihre Tücken, wenn es darum geht, sich mit anderen Weltsichten zu konfrontieren. Das war in diesem Sommer bei der documenta zu sehen und es konnte auch bei der jüngsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) beobachtet werden.