Ausgabe September 1996

Kirche & Staat und der beiden liebstes Kind

Wenn sich Hans Küng oder Eugen Drewermann zu Kirchenfragen äußern, so dauert es meist nicht lange, bis die ersten "Häresie"-Rufe erschallen. Anders war das bei Oswald von Nell-Breuning, der sich als kritischer, aber braver Katholik mit Adjektiven wie "abscheulich" und "grundgesetzwidrig" über die (vor dem Hintergrund des jüngsten Urteils des Bundesverfassungsgericht zum Thema "Trennung von Kirche und Staat" reanimierte) politische Leiche "Kirchenfinanzierung" ausließ. 1) In dazu öffentlich geführten Debatten wird Liberalen - man denke an Stefan Bajohr oder Daniel Kreutz im NRW-Landtag - Kirchenfeindlichkeit, Verfechtern der bisherigen Finanzierungswege im Gegenzug reaktionäres, voraufklärerisches Denken vorgeworfen. Vielleicht lohnt es gerade deshalb, häufig aufgeworfene Fragen erneut zu stellen, z.B. die nach den Einnahmequellen der Kirchen. Da sind zunächst die freiwilligen Leistungen wie Spenden, Einkünfte aus dem Klingelbeutel oder Meßstipendien als klassische Einnahmequellen der Katholischen Kirche, die der jeweiligen Pfarrei, dem Bistum oder der Gesamtkirche zugutekommen.

Sie haben gemein, daß sie in den Haushalten der deutschen Bistümer in der Regel nicht aufgeführt und in den Haushaltsplänen der einzelnen Pfarreien selten oder gar nicht ausgewiesen werden.

September 1996

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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