Ausgabe August 1997

Vormarsch der Ethnos-Politik in den mitteleuropäischen Beitrittsländern

1. Postkommunismus und das Projekt des Anschlusses an den Westen

Gleich am Anfang der neuen Ära in Europa entstanden bei den Eliten im Westen und den ersten nichtkommunistischen Regierungen in den ehemaligen Ostblockstaaten neue Erwartungen. Es kam sehr schnell zu einer geopolitisch gefärbten Rangfolge, was den Zutritt zum Klub des Westens anbelangt. Dabei werden den ostmitteleuropäischen Staaten Polen, Tschechoslowakei und Ungarn (den sogenannten Visegrad-Nationen) die besten Chancen eingeräumt; Slowenien schloß sich mit Verspätung an. Andererseits gilt nach der Teilung der Tschechoslowakei die Slowakei unter der Meciar-Regierung immer mehr als Problem. Die Regierung Kohl maß der Aufnahme dieser Nachbarstaaten in EU und NATO ein besonderes Gewicht zu. Deutschland nimmt nun eine Schlüsselposition als Garant für die Anpassungsfähigkeit dieser postkommunistischen Nationen und als Richter für die favorisierten Erfolgsmodelle in Ostmitteleuropa ein. Deutschland hat aber auch schon mehrmals in der Vergangenheit eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung dieser Staaten und deren Anbindung an Europa gespielt.

August 1997

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema