So viel Mitte war nie. Eintracht im Blätterwald und bei den sprechenden Köpfen auf dem Bildschirm: Die Wahlen vom November hätten bestätigt, daß Amerikaner "nichts Extremes" wollten; die Nation habe für "die Mitte" gestimmt, einen Demokraten ins Weiße Haus geschickt, und als Gegengewicht dazu Newt Gingrich und Co. in den Kongreß. Präsident Bill Clinton selber sagt, daß er das "vitale Zentrum" repräsentiere. Im neuen Kabinett seien keine Ideologen, sondern kompetente Leute, die Probleme "vernünftig" angingen und Konsens suchten. Der Verteidigungsminister in spe ist sogar ein Republikaner. Clintons Brücke in das 21. Jahrhundert befährt man auf dem Mittelstreifen. "Mitte", das klingt irgendwie erhaben, da denkt man an einen Vater der Nation, der aufpaßt, daß die Kinder namens Links und Rechts nicht raufen, sondern kooperative Spiele spielen. In Wirklichkeit sind die Thesen von der angeblich allseits erwünschten "Mitte" (ein kürzlicher "Blätter"-Aufsatz machte gar einen "amerikaeigenen Zentrismus" ausfindig 1)) bei der Analyse der amerikanischen Politik nicht besonders nützlich.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.