Kurz vor den Bundestagswahlen überschlagen sich die Regierungsparteien in dem Bemühen, die Keime künftiger, verheißungsvoller Entwicklungen ins rechte Licht zu rücken. Nur sie, die Unionsparteien und die Liberalen seien fähig, die "in Fahrt kommende Konjunktur", die "Wende am Arbeitsmarkt" kräftig zu befördern, wenn sie am Ruder der Macht verharren könnten. Das gelte in besonderem Maße für den Aufbau Ost. Sicher gibt es in der ostdeutschen Wirtschaft Ansätze für zukunftsträchige Entwicklungen. Etwa das rasche Wachstum der Industrieproduktion (+9% in 1997/96); oder die für 1998 geplanten Zuwachsraten der Investitionen in wichtigen Industriezweigen. In den Forschungs-und-Entwicklungs-(FuE)-intensiven Branchen wachsen sie 1998, nach Befragungen des ifo Instituts, um 6%. Darunter im Maschinenbau um 14%, in der Elektrotechnik um 25% und in der Kunststoffwarenindustrie um 13%. 1) Das aber sind in der Tat nur Keime, mit deren künftiger Entwicklung sich Hoffnungen verbinden können. Sie verdecken nicht die immensen Fehlleistungen der Wirtschaftspolitik und die belastenden Hypotheken. die sie hinterläßt.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.