Ausgabe März 1999

Entschädigung im Jahrhunderttakt

"Eine gemeinsame Lösung" der deutschen Wirtschaft, "die solche Klagen jetzt und in der Zukunft ausschließen soll," forderte kürzlich Degussa-Chef Bufe angesichts der Sammelklagen gegen deutsche Unternehmen in den USA. Er ließ damit keinen Zweifel daran, was die Konzerne beim Versuch, eine Regelung für die Entschädigung von Zwangsarbeit zu finden, antreibt. Im Unterschied zur Regierung Kohl, die die Situation unterschätzte und wegen ihrer starren Ablehnung - "die Kasse bleibt geschlossen" - politisch handlungsunfähig wurde, reagierte die neue Bundesregierung flexibel. Den Weg hierfür eröffneten Anträge der Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen aus den Oppositionsjahren, in denen Entschädigung für Zwangsarbeit gefordert wurde.

Doch die aktuelle Politik ist nicht einfach die Umsetzung dieser Beschlußlage. Vielmehr geben ihr Forderungen die Richtung, die von führenden Konzernchefs wie dem DaimlerChrysler-Vorstand Manfred Gentz unter dem Eindruck des Schweizer Beispiels formuliert wurde: "Die Bundesregierung sollte den Druck ernst nehmen, dem sich deutsche Firmen durch die Sammelklagen ausgesetzt sehen." Entsprechend agiert die Regierung. Einerseits versucht sie die Konzerne dazu zu bewegen, ein verhandlungsfähiges Angebot zu formulieren.

März 1999

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema