Ausgabe März 1999

Lokale Agenda 21 - erste Entwürfe

Auch im siebten Jahr nach der Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1) liegt noch in keiner deutschen Kommune ein vollständiger Handlungskatalog zur Lokalen Agenda 21 vor. Die Zahl der Beschlüsse steigt zwar ständig (im Vorfeld der "Rio plus 5"-Konferenz zählte der deutsche Städtetag knapp 60, mittlerweile sind es über 600 Kommunen), und die Vielfalt der Veranstaltungen, Seminare und Publikationen ist selbst für Fachleute nicht mehr zu überblicken. Doch noch immer fehlen schlüssige Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung vor Ort. Zwei Defizite stechen besonders hervor: Erstens werden die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung nicht gleichberechtigt behandelt. Umweltthemen dominieren deutlich über ökonomische und soziale Problemstellungen. Dies führt zu einer Vernachlässigung des "Entwicklungsaspekts" der Vereinbarungen von Rio. Zweitens gelingt es in der Praxis (noch) nicht, eine breite Beteiligung der Bevölkerung zu erreichen - ohne diese ist aber ein grundlegender Wandel der Wirtschafts- und Lebensweisen nicht möglich.

Die Defizite spiegeln sich auch in den ersten vorliegenden Programmentwürfen wider. Der Berliner Bezirk Köpenick war eine der ersten "Kommunen" in Deutschland, die sich die Umsetzung der Agenda zum Ziel setzte.

März 1999

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.