Ausgabe Mai 1999

Expatriierung der Nuklearstandorte

Haben sich die Rot-Grünen erneut vergaloppiert, weil niemand die Schadenersatzforderungen der westlichen Wiederaufbereiter wegen entgangener Geschäfte bezahlen kann und die der deutschen Stromkonzerne gleich gar nicht? Weit gefehlt! Es gibt sehr wohl die Chance, den Ausstieg aus der Kernenergie entschädigungsfrei, umfassend und unumkehrbar innerhalb dieser Legislaturperiode zu regeln, wie im Koalitionsvertrag versprochen. Diese Möglichkeit ist einfach, kostenneutral, und sie zerstört keinen einzigen Arbeitsplatz in den Wahlkreisen, wo die Meiler stehen und jetzt schon Wut und Panik hochkochen ob der drohenden Steuer- und Jobverluste beim Abschalten der langsamen Brüter. Die Bundesrepublik erklärt einfach die Gebiete um die 19 Atomkraftwerke zu exterritorialen Exklaven. Sie werden völkerrechtlich selbständige Homelands, in denen freilich - im Gegensatz zu den einstigen Homelands Südafrikas - sich nicht die Armut konzentriert, sondern eine enorme Wertschöpfung, weil nicht Arbeitskräfte dorthin verbannt werden sondern Arbeitsplätze, und zwar die vielleicht ergiebigsten Jobs des Kontinents. Wenn es von Steueroasen in Europa geradezu wimmelt, warum soll es dann keine Nuklearoasen geben?

Ein kleines Problem freilich ist dabei noch zu umschiffen.

Mai 1999

Sie haben etwa 25% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 75% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Kultur