Alter Wein in neuen Schläuchen. Viel mehr ist es nicht, was 21 Grünen-Politiker jüngst zur "Erneuerung bündnisgrüner Umweltpolitik" formulierten. Bekannte ökologische Zustandsbeschreibungen gepaart mit richtigen Ansätzen zur kooperativen und dialogischen Umweltpolitik, die statt auf bloße Konfrontation auf das Schmieden neuer Bündnisse setzt. Insgesamt betrachtet: jede Menge Selbstbespiegelung und Allgemeines, kaum tauglich, die anvisierte "Grundsatzdebatte" anzustoßen - zumal die Kernbotschaft vornehmlich in Richtung der eigenen Klientel geht. Motto: Schaut her, Eure Umweltpartei existiert noch, sie arbeitet wieder und weiter an ihrem ökologischen Profil und läßt sich nicht auf die mäßige ministerielle Performance reduzieren. Grüne Papiere geistern mittlerweile mannigfaltig durch die Republik, bieten inhaltlich vornehmlich Selbstreflexion; und verwischen dabei, daß gerade die Unterzeichner selbst als politische Akteure für die Umsetzung ihrer Thesen mit zuständig sind. Wer wie im grünen Umweltpapier - für einen "anderen Politikstil" auf der Basis von Einbeziehung gesellschaftlicher Kräfte wirbt, muß ihn selbst organisieren, die tatsächlich vorhandenen Potentiale selbst nutzen.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.