Ich verließ Berlin, als dort die sogenannte Berliner Republik begann, man hielt mich für verrückt. Was würde ich nicht alles verpassen an Großartigkeiten! Vier Monate später: Im chinesischen Coffeeshop auf meiner malaysischen Insel verbreitet sich Grinsen, wenn das Wort Deutschland fällt. Freundliches Grinsen, von Zwinkern begleitet. Hey, hey, money makes the world go round. Die Chinesen wären die letzten, das zu bezweifeln. * Aus der Ferne betrachtet bekommt die Heimat unweigerlich etwas Exotisches. Irgendwann stand plötzlich die berühmteste Kriegsreporterin von CNN vor dem Brandenburger Tor; es war aber kein Krieg, sondern anscheinend der Jahrestag des Mauerfalls, und die Berühmte befragte mit erstaunlicher Leidenschaft einen Mr. Schmidt, von dem niemand wußte, wer er ist. Wenn man gezwungenermaßen zum Weltgucker und Weltleser geworden ist, fallen die deutschen Dinge schnell aus ihrem Rahmen. Sie stehen quasi nackt da, ohne die Girlanden des Ewig-Deutsch-Bedeutungsvollen, ohne das vertraute Pathos, ohne das ständige Vibrato des nationalen Orchesters. In den bescheidenen Bildausschnitt des Weltguckers gerieten dann Flutkatastrophen in Indien und Vietnam, Kriege hier und dort, untergegangene Schiffe, entführte Flugzeuge und - ha: wieder ein Fetzen Heimatklang: "slush funds" von Helmut Kohl.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.