Ausgabe Februar 2000

Weißt du noch - damals Kamerad?

100 Jahre Deutscher Fußballbund

Da trägt die intellektuelle Linke grosso modo in ihrem Herzen stets das Abziehbild vom e i g e n t l i c h proletarischen Fußball. Das paßt halt so schön ins Weltbild. Der mittels sozialer Verortung in der Arbeiterschaft per se als w i d e rs p e n s t i g ausgewiesene Sport sei dann irgendwann der bürgerlichen Z ä h m u n g anheimgefallen. So hätte man es gern, und doch bleiben Restbestände von Unsicherheit. 1) Inzwischen kann die Romantik-Fraktion im Vorfeld des 100. DFB-Geburtstages unverhofften Zulauf vermelden. Der Präsident des Deutschen Fußballbundes gab, angeblich nach Sichtung von "vielen zeitgeschichtlichen Dokumenten ", bekannt, die Anfänge des deutschen Fußballs gingen auf " ein paar Außenseiter der unteren Klasse" zurück. 2) Und was der beste aller guten Menschen von Aachen verkündet, gilt dem Zentralorgan der Verbandsfangemeinde normalerweise als Botschaft ex cathedra. Folglich bejubelte anschließend der "Kicker"-Chefredakteur den beispiellosen Aufstieg des Fußballs "vom verfemten Proletarier-Sport zur VorzeigeAdresse". 3) Doch auch der prominente Beistand schafft es nicht, aus den schwärmerischen Anwandlungen vom Arbeitersport historische Tatbestände zu machen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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