Ausgabe Juni 2000

Testfall Livingstone

"Wie ich schon sagte, bevor ich vor vierzehn Jahren so unhöflich unterbrochen wurde" - mit diesen Worten eröffnete Ken Livingstone am 5. Mai 2000 die zweite Halbzeit seines politischen Lebens und nahm seine Wahl zum ersten direkt gewählten Bürgermeister der Stadt London an. Die erste Halbzeit hatte er als Vorsitzender des "Greater London Council" 1981 begonnen und war 1986 von der Thatcher-Regierung aus dem Amt getrieben worden. Diese hatte den von der Labour Party dominierten GLC durch einen Verwaltungsakt abgeschafft und "Red Ken" Livingstone in die politische Wüste geschickt. Seit dieser Zeit hatte er in der unter Kinnock und Blair bis zur Unkenntlichkeit modernisierten Labour Party keine herausragende Position in der Parteihierarchie mehr eingenommen. Er saß zwar im Parlament, aber seine Außenwirkung als Abgeordneter beschränkte sich auf das Verfassen von Zeitungskolumnen. Als New Labour dann unter Blair 1997 an die Regierung zurückkehrte, war das Projekt der "devolution", das heißt der Regionalisierung des zentralisistischen Westminster-Modells durch die Einführung von Regionalparlamenten in Wales und Schottland, ein zentraler Bestandteil des Regierungsprogrammes.

Die Direktwahl des Londoner Bürgermeisters sollte die Krönung des Reformwerkes von New Labour bilden.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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