Ausgabe November 2000

Ein Religionskrieg des 21. Jahrhunderts

Worauf beruhte die Fehleinschätzung? Der Wahlsieg Ehud Baraks am 17. Mai 1999 war nichts anderes als eine optische Täuschung. Netanyahu hatte zum Ende seiner Amtsperiode nach und nach sein Image als "Magier" eingebüßt und zudem viele frühere Weggefährten verloren. Somit erlitt er bei der Direktwahl des Ministerpräsidenten eine klare Niederlage. Die rechten Parteien behielten jedoch die Mehrheit in der Knesset: Die drei religiösen Parteien, die zuvor zur Netanyahu-Koalition gehörten, legten an Stimmen zu und brachten es auf 27 Sitze. Zusammen mit der dezimierten LikudPartei (19 Sitze), der rechtsradikalen "Nationalen Einheit" und der Partei der russischen Einwanderer (beide je sechs Sitze) stellten sie mit 58 der 110 "jüdischen Mandate" die Mehrheit. Die übrigen zehn Sitze der arabischen Abgeordneten gelten in Israel, das sich in zunehmendem Maße als j ü d i s c h e r Staat versteht, ohnehin als außen vor. Das Ergebnis: Die von Barak gebildete Koalition bestand fast zur Hälfte aus Parteien und Abgeordneten der israelischen Rechten, die früher in der Netanyahu-Koalition vertreten waren.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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