Ausgabe November 2000

Ein Religionskrieg des 21. Jahrhunderts

Worauf beruhte die Fehleinschätzung? Der Wahlsieg Ehud Baraks am 17. Mai 1999 war nichts anderes als eine optische Täuschung. Netanyahu hatte zum Ende seiner Amtsperiode nach und nach sein Image als "Magier" eingebüßt und zudem viele frühere Weggefährten verloren. Somit erlitt er bei der Direktwahl des Ministerpräsidenten eine klare Niederlage. Die rechten Parteien behielten jedoch die Mehrheit in der Knesset: Die drei religiösen Parteien, die zuvor zur Netanyahu-Koalition gehörten, legten an Stimmen zu und brachten es auf 27 Sitze. Zusammen mit der dezimierten LikudPartei (19 Sitze), der rechtsradikalen "Nationalen Einheit" und der Partei der russischen Einwanderer (beide je sechs Sitze) stellten sie mit 58 der 110 "jüdischen Mandate" die Mehrheit. Die übrigen zehn Sitze der arabischen Abgeordneten gelten in Israel, das sich in zunehmendem Maße als j ü d i s c h e r Staat versteht, ohnehin als außen vor. Das Ergebnis: Die von Barak gebildete Koalition bestand fast zur Hälfte aus Parteien und Abgeordneten der israelischen Rechten, die früher in der Netanyahu-Koalition vertreten waren.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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