Ausgabe November 2000

Postjugoslawische Symbiosen

Die vergangenen 13 Jahre haben uns zu Zeugen massiver Symbiosen auf den Balkan gemacht, schlimmer Variationen auf "Eine Hand wäscht die andere" oder "Du brauchst mich für deine Dreckarbeit und ich dich für meine, arbeiten wir also zusammen" - eine Art wechselseitig vorteilhafter Übereinkünfte, Böses zu tun. Diese Symbiosen begannen großenteils mit Slobodan Milosevic, und so endeten sie auch mit seinem Sturz, den der Aufstand der Opposition zugunsten des neugewählten Präsidenten Vojislav Kostunica in diesem Herbst 2000 bewirkte. Erinnern wir uns der späten 80er Jahre, als Milosevic seine Version eines Serbiens betrieb, das als der Motor eines neuerlich zentralisierten Jugoslawiens fungieren sollte. Dies löste von Anfang an Widerstand aus, nicht nur bei den Kosovo-Albanern, sondern auch bei Kroaten und Slowenen. Alle drei Nationalitäten ließen sich von Milosevics nationalistischem Programm anstecken und gingen ihrerseits auf Unabhängigkeitskurs: in Richtung auf eine Republik Kosovo, eine kroatische und eine slowenische Republik. Ohne Milosevic hätten ihre Ambitionen nicht gedeihen können.

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