Ungarn mit seinen 10 Millionen Einwohnern genießt - im Vergleich zu den anderen Ex-COMECON-Ländem - eine gewisse Sonderstellung, die nicht nur aus den relativ guten Wirtschaftsdaten - 5% Wirtschaftswachstum, 7% Inflationsrate - sondern, so eigenartig und irrational es auch klingen mag, auch aus der alten "CsardasHusaren-" und "Zigeunermusik"-Mentalität herrührt. So ist der Weg von Budapest nach Brüssel sicherlich leichter als der von Prag, Warschau, Laibach, Bukarest und Sofia, obwohl alle lieber heute als morgen die volle EU-Mitgliedschaft erreichen wollen. Der scheidende ungarische Staatspräsident Árpád Göncz, der sein Amt im August 2000 seinem vom Parlament gewählten Nachfolger Ferenc Madls übergab, drückte in seiner letzten offiziellen Rede die Hoffnung der Liberalen und Mitte-Links-Parteien - im Gegensatz zu den Rechten - aus, dass Ungarn in absehbarer Zeit Mitglied der EU sein wird: "In einem Europa, in dem theoretisch ein jeder das Recht auf Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetz hat (aber, nur der...) der diese Möglichkeiten wahrnehmen kann." 1) Einer der wichtigsten "Pflastersteine" Ungarns auf dem Weg in die EU sind die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu den verschiedenen EU-Ländern, wobei die Magyaren - aus verständlichen Gründen - großen Wert auf die Gegenseitigkeit legen.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.