Ausgabe September 2000

Kinder der Einheit

Oder: Die soziale Dynamik des Rechtsextremismus

Zehn Jahre hat es gedauert, bis Rechtsextremismus wie rechtsextreme Gewalt erstmals in einer breiteren Debatte in Politik und Öffentlichkeit als eigenständige und weitreichende gesellschaftliche Probleme anerkannt worden sind. Nach dem Bombenattentat in Düsseldorf, das zehn russische, mehrheitlich jüdische Einwanderer zum Teil schwer verletzte und bei dem sich ein rechtsterroristischer Hintergrund triftig vermuten lässt, ist der Rechtsextremismus urplötzlich seit Ende Juli in allen deutschen Medien zum "Top-Thema" 1) avanciert. Und die Töne, die dabei angeschlagen werden, unterscheiden sich mehrheitlich von dem Chor der Verleugnung und Verharmlosung rechtsextremen Alltagsterrors, der vordem in Politik und Medien herrschte. War die vorangegangene Intervention von Bundeskanzler Schröder, der Rechtsextremismus müsse "weg", noch mit der Begründung versehen, dieser schade dem deutschen Ansehen, kritisierte nun Außenminister Joschka Fischer die "schweigende Mehrheit" gegenüber dem Rassismus 2), und viele Politiker folgten ihm. Selbst die ARD problematisiert jetzt bisweilen eine "rassistischen Normalität" in Deutschland. 3) Es gab auch Kritik, dass die Politik das Phänomen so lange heruntergespielt habe.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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