Schon das erste Telefonat zwischen dem israelischen Wahlsieger Ariel Scharon und Palästinenserführer Yassir Arafat machte deutlich, daß beide noch keine gemeinsame Sprache gefunden haben. Arafat verwies auf die dramatische Versorgungslage in den autonomen Gebieten, Scharon insistierte auf der Beendigung der "palästinensischen Gewalt" als Vorbedingung für die Aufnahme von Verhandlungen. Die zentrale Rolle der Sicherheitsfrage für israelische Politiker ist kein Novum. Für Scharon allerdings scheint sie - im Unterschied zu Ehud Barak - eine konkurrenzlos dominante, alle anderen Aspekte beiseite drückende Position einzunehmen. Zwar lassen sich Scharons Vorstellungen hinsichtlich des Palästinenserkonflikts noch nicht in Gänze überblicken, doch deutet alles darauf hin, daß sich auch unter der großen Koalition (Likud-Block, Arbeitspartei und kleinere Parteien) der Beginn von Gesprächen über den Endstatus der Autonomiegebiete weiter verzögern wird. Sollte der neue Außenminister Shimon Peres das von Ehud Barak im Vorjahr in Camp David unterbreitete Angebot in vollem Umfang wiederholen, könnte die neue Koalition auseinanderbrechen.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.