Ausgabe Juni 2001

Ein italienisches Unternehmen

Der Wahlsieg Silvio Berlusconis und seiner Casa delle libertà (Haus der Freiheiten) leitet eine in vielerlei Hinsicht neue Ära ein und zieht eine Reihe von Änderungen des politischen Systems in Italien nach sich. Berlusconi ging den Weg einer fast sechsjährigen Opposition und nutzte diese Zeit, um seiner Partei Forza Italia (FI) Struktur zu geben, sie organisatorisch zu stärken und die abtrünnige Lega Nord in einem neuen Bündnis wieder an sich zu binden. Auf europäischer Ebene konnte er sich durch die Aufnahme seiner FI in die Reihen der Europäischen Volkspartei legitimieren. Und schließlich betrieb er mithilfe seines Medienimperiums einen fünfjährigen Wahlkampf, dessen Früchte er am 13. Mai erntete. Heute präsentiert sich die Rechte Italiens als starke politische Kraft mit einer relativ soliden, breiten sozialen Basis, sie stellt die künftige Regierung, mehr noch aber bietet sie für viele Italiener eine Art Identität. Berlusconis politisches Bündnis vermittelt ein neues "Wir-Gefühl", eine Aufbruchstimmung des "sofort und alles", die, wie Umberto Eco kurz vor den Wahlen schrieb, von der "Ideologie des Spektakels und der Praxis der Zensur" geprägt ist.

Berlusconis Wahlsieg geht aber nicht nur auf seine Fähigkeit zurück, Tele- und Wahlkonsens zu bilden.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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