Ausgabe März 2001

Partout Preußen

Preußen sei eine "kostbare geistige Provinz Deutschlands", meint Wolf Jobst Siedler. Deswegen wird sein 300. Geburtstag gefeiert, einen anderen Grund gibt es nicht. Alles übrige ist entweder "vergessen" (Siedler) oder "zerbrochen" (Johannes Willms) oder hat sich "verfinstert" ("Der Spiegel"). 1) Doch was macht den preußischen Geist aus? Dieser Staat, deklarierten die Siegermächte 1947, habe als "ein ewiger Hort der Reaktion und des Militarismus keine weitere Existenzberechtigung, er müsse daher umstandslos aufgelöst werden. Das harte Urteil reflektiert eine tiefe Enttäuschung, hätte man doch schon 1918 die Welt von dem bösen Geist befreien können.

Damals brachte Westel W. Willoughby seines Zeichens Professor an der Johns Hopkins University, die geistige Gefahr auf einen kurzen Nenner: Der Kaiser hat den Krieg "damit gerechtfertigt, daß er ein Beauftragter des allmächtigen Gottes sei.Das deutsche Volk ist ihm in diesem Anspruch gefolgt. Sein Motiv war natürlich der Glaube, der Kaiser agiere als gesetzgebendes Sprachrohr und ausführender Arm eines transzendentalen Wesens, des Deutschen Reiches, dessen Ziel und Mission wiederum dann liege, die selbst geschaffene Kultur in die Welt hinaus zu tragen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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