Eine „Agrarwende“ einzuleiten versprach Renate Künast, als sie Anfang 2001 das neu zugeschnittene Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerium übernahm. Lange überfällig ist ein forcierter ökologischer Umbau des Agrarsektors zweifellos: Lediglich 2,6% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche werden hier zu Lande ökologisch bewirtschaftet, 2,4% aller Betriebe wirtschaften ökologisch. Damit liegt Deutschland zwar knapp über dem EU-Durchschnitt (1,9%), wird aber von Ländern wie Österreich (gut 10%) oder Schweden und Finnland (fast 6%) deutlich übertroffen. Ein Schwerpunkt der anvisierten agrarpolitischen Neuorientierung liegt auf der Fleischerzeugung[1]: Beschränkung des Antibiotika-Einsatzes bei der Mast auf kurative Anwendung; Kopplung der Rinderprämien an eine verstärkte Extensivierung der Rinderhaltung; Einführung einer Positivliste für erlaubte Futtermittel und umfassende Deklarierung von Futtermittelbestandteilen sowie die Einschränkung von Tiertransporten. Der zweite Bereich, den bereits Künasts Vorgänger Karl-Heinz Funke verstärkt ausbauen wollte, ist der ökologische Landbau[2]: Dessen flächenmäßiger Anteil soll in den nächsten fünf Jahren vervierfacht und innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf 20% erhöht werden.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.