Ausgabe Februar 2002

Zielstellung Angleichung verfehlt

Als die Rekapitalisierung Ostdeutschlands mit der Einführung der D-Mark begann, geschah dies mit der offiziell verkündeten politischen Zielstellung, eine schnelle Angleichung des ostdeutschen Produktivitäts- und Einkommensniveaus an das in Westdeutschland zu erreichen. Dazu seien nur wenige Jahre erforderlich, verkündeten die verheißungsvollen Verlautbarungen der damaligen Bundesregierung.

Nun ist es still geworden. Seit geraumer Zeit äußern sich weder die herrschenden, noch die oppositionellen Politiker und auch viele Vertreter der wohlbestallten Wissenschaft nicht zu dieser Zielsetzung; klammheimlich ist sie aus ihrem Vokabular verschwunden. Ein Indiz dafür sind die Jahresgutachten des Sachverständigenrats, in denen ursprünglich analytische Kapitel zum Angleichungsprozess nunmehr zu kurzen Bemerkungen über "Fortschritte" degenerierten. Diese Haltung signalisiert die endgültige Absetzung des Angleichungsziels von der Tagesordnung. Im Durchschnitt des Jahres 2000 hatte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen in Ostdeutschland 69% des westdeutschen Niveaus erreicht. Im selben Zeitraum lagen die ostdeutschen Bruttolöhne und -gehälter je Beschäftigten bei 76,7% der westdeutschen. 1)

Bei beiden Zielstellungen klafften mithin große OstWest-Lücken.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Rechte Gewalt, leere Kassen: Ostdeutsche Zivilgesellschaft unter Druck

von Elisa Pfleger

In der Bundespolitik ist das Entsetzen über den Erfolg der AfD bei der Bundestagswahl noch immer groß. In allen ostdeutschen Flächenländern und in 43 von 48 Wahlkreisen wurde die in weiten Teilen rechtsextreme Partei stärkste Kraft, in Görlitz und im Kreis Sächsische-Schweiz-Osterzgebirge erhielt sie beinahe 50 Prozent der Stimmen.