Ausgabe Juli 2002

Gefährliche Identitätssuche

Pakistan zwischen Orientierungslosigkeit und Indien-Fixierung

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach Erlangen der Unabhängigkeit schlägt die Frage, was Pakistan und was pakistanisch sei, immer noch hohe Wellen. In welchem Maße Identität in Pakistan nicht nur eine Frage der Perzeption, sondern auch der konkreten Innen- und Außenpolitik ist, zeigt die tief greifende innere Zerrissenheit des Landes im Gefolge des US-Krieges gegen die Taliban in Afghanistan. Während General Pervez Musharraf in seiner Rede an die Nation 1) Anfang diesen Jahres als Priorität die Schaffung eines modernen und demokratischen islamischen Staates und die Losung "Pakistan first", das heißt, absoluter Vorrang der gesamtstaatlichen Interessen, ausgab, wurden in der paschtunischen Grenzprovinz im Nordwesten die Akzente grundlegend anders gesetzt. Der Präsident der National Awami Party, Ajmal Khattak, propagierte kurze Zeit später "Muslim first, Pakhtun second" - von Pakistan war pikanterweise erst gar nicht die Rede. 2)

In diesen Zusammenhang gehört auch die neu aufgeflammte Diskussion über die regionale Zugehörigkeit Pakistans, die sich seit Jahrzehnten faktisch im Kreis dreht und einerseits die Orientierungslosigkeit des politischen wie des intellektuellen Establishments und andererseits die unzulässige Kopplung der Identitätsfrage mit wechselnden außenpolitischen Ambitionen dokumentiert.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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