Ausgabe Juni 2002

Kranke Kassen

Deutschlands Krankenkassen sind krank. Die Kassen stehen vor größeren Finanzierungsschwierigkeiten als die marode Rentenversicherung, sie verschlingen zu viele Milliarden, arbeiten ineffektiv und dienen Ärzten und Pharmaindustrie als Selbstbedienungsladen, heißt es. Solche Klagen über die Kassen werden nicht nur am Stammtisch und im Internet-Chat erhoben, sondern auch von Unternehmerverbänden, von Gewerkschaften und von Politikern jeglicher Couleur. Egal, ob die Kritiker für mehr Kapitalismus plädieren oder für eine Demokratisierung des Gesundheitswesens, immer sind die Versicherer (mit-) schuld an allen Gebrechen der hiesigen Heilkunst - der öffentliche Druck auf die Kassen ist enorm.

Der erste Druckposten sind die Kosten. Die Gesundheitsausgaben stiegen seit den 70er Jahren umgerechnet von rund 50 auf nun 130 Milliarden Euro an - eine gewaltige Kostenexplosion. Aber ist damit tatsächlich die "endgültige Grenze der Finanzierbarkeit" erreicht, wie es in der öffentlichen Diskussion oft heißt? Wohl kaum. Ein anderer Blickwinkel erlaubt ein differenzierteres Bild. Solche Horrorzahlen lassen nämlich wichtige Faktoren unberücksichtigt, wie die Teuerungsrate, medizinischen Fortschritt und wirtschaftliches Wachstum.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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