Ausgabe September 2002

Zum Beispiel Mazedonien

Demokratie und ethnische Selbstbestimmung im Konflikt

Ein Jahrzehnt nach der Unabhängigkeit Mazedoniens ist die Zukunft des Landes immer noch ungewiss. Seine bislang kurze Geschichte zeigt die Widersprüche und Probleme eines Demokratisierungsprozesses in einer ethnisch gespaltenen Gesellschaft. Sie ist auch ein Beispiel für die großen Schwierigkeiten, denen die "internationale Staatengemeinschaft" bei Versuchen gegenübersteht, ethnische Konflikte von außen zu beeinflussen und in friedliche Bahnen zu lenken. Unter der Herrschaft der Hohen Pforte in Istanbul war "Mazedonien" eine Region, die in etwa das Gebiet des heutigen Staates sowie Teile von Bulgarien und Nordgriechenland umfasste. 1) Anders als Bulgaren, Serben und Albaner, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem zerfallenden Osmanischen Reich ihre Staaten gründen wollten, entwickelten die Mazedonier keine durchsetzungsfähige Nationalbewegung. Beim Streit um das Erbe des Osmanischen Reiches 1912/13 und nach dem Ersten Weltkrieg gingen sie leer aus. Es kam zu keiner mazedonischen Staatsbildung; die Region wurde zwischen Serbien, Bulgarien, Albanien und Griechenland aufgeteilt, das heutige mazedonische Staatsgebiet Serbien zugeschlagen.

Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Jugoslawien annektierte Bulgarien das Gebiet, das 1944 wieder in Jugoslawien eingegliedert wurde.

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