Ausgabe Januar 2003

Die neue Ernsthaftigkeit

Politik in postironischen Zeiten

Vor drei Jahren erzielte der damals erst vierundzwanzigjährige Jedediah Purdy mit seiner Streitschrift „For Common Things“ großes Aufsehen in Amerika. Aufgewachsen in der tiefsten Provinz West Virginias, forderte der junge Harvard-Student seine Landsleute auf, ihre Haltung des distanzierten Egoismus zu verlassen und sich den öffentlichen Angelegenheiten zuzuwenden. Jetzt ist das Buch auch in der deutschen Übersetzung unter dem Titel „Das Elend der Ironie“ erschienen. Doch wie hat sich die Haltung der Amerikaner seit dem 11. September verändert? Wie verträgt sich Ironie mit Terror und Krieg? Und wo zeigen sich möglicherweise Ansätze einer Repolitisierung der amerikanischen Gesellschaft? Die „Blätter“ sprachen mit Purdy anlässlich der Vorstellung seines Buches in Berlin. – D. Red.

„Blätter:“ In Ihrer Analyse der amerikanischen Gesellschaft diagnostizieren Sie Politikflucht, den Rückzug ins Private und verbreitete Politikverdrossenheit als dominierende Haltungen der Bevölkerung – alles Phänomene, die wir auch in Europa erleben.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

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