Ausgabe Januar 2003

Wer kommt nach Mubarak? Elitenwechsel in Ägypten

Der 74jährige Hosni Mubarak scheint bei guter Gesundheit zu sein und ist sicherlich auf dem Gipfel seiner Autorität. Das belegt das letzte Referendum für die Präsidentschaft von 1999 bis 2005, das unter dem Slogan „Treue für das ganze Leben“ (al-bay'a madal hayat)1 durchgeführt wurde. Aber seit seiner Transformation vom Königreich zur Republik hat Ägypten kein derartiges Rätselraten um die Nachfolge des Präsidenten erlebt wie heute. Die entscheidende Rolle in der Nachfolgefrage spielte seit 1952 der Vizepräsident, da er automatisch der nächste Präsident wurde: 1970 folgte Sadat auf Nasser und 1981 Mubarak auf Sadat. Dies garantierte in beiden Fällen einen geordneten Machtübergang und übertrug dem neuen Präsidenten einen Teil der etablierten Legitimität. Hosni Mubarak aber hat in den 21 Jahren seiner Regierungszeit keinen Stellvertreter ernannt, obwohl dieser – wie unter seinen Vorgängern mehrmals geschehen – ausgewechselt werden kann.

Dies muss umso mehr überraschen, wenn man sich die extremen Instabilitäten in seiner Regierungszeit (Aufkommen gewalttätiger islamistischer Gruppierungen, Attentat von Addis Abeba 1995, Eskalation regionaler Konflikte) vor Augen führt.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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