Ausgabe Juli 2003

Verdrängtes NS-Gedenken

Jena steht vor einem großen Ereignis. "Das erste Denkmal für die Opfer der SED-Diktatur" soll dort aufgestellt werden. So lautete auch der (Unter-)Titel eines Kommentars in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (30.5.2003), in dem sich Michael Jeismann unter diesen Vorzeichen mit dem Angebot eines in den USA zu Geld gekommenen ehemaligen DDR-Staatsangehörigen auseinandersetzt, ein nationales Mahnmal für die 400 000 in der DDR Verfolgten zu finanzieren. Angesichts einer Situation, in der nach Jeismann die alte Heimat mehr als genug mit den neuen Herausforderungen zu tun habe und die Erinnerung an die DDR Erinnerung sein lasse, sei dies ein zumindest erwägenswertes Angebot. Zumal: "Wo die Erinnerung noch ist, soll es auch an Geld nicht fehlen." Und der Zeitpunkt passt auch: Der 17. Juni jährte sich nun zum 50. Mal.

Von einer solchen Unterstützung können die Opfer der NS-Militärjustiz weiterhin nur träumen. Zwar erklärte der Bundestag in Einvernehmen mit dem Land Sachsen, Torgau als der zentrale Ort ihrer Verfolgung – hier residierte das Reichsmilitärgericht und hier befanden sich entsprechende Haft- und Erschießungsstätten – solle auch der zentrale Ort des Gedenkens werden, doch blieben dies bisher leere Worte.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Public Domain

Verdrängte Verbrechen: 80 Jahre Zweiter Weltkrieg

von Markus Meckel

Am 1. September jährt sich der Beginn des Zweiten Weltkriegs, der deutsche Überfall auf Polen, zum 80. Mal. Doch obwohl fast jede Familie davon betroffen war und Opfer zu beklagen hatte, ist in Deutschland das öffentliche Erinnern an den Zweiten Weltkrieg heute erstaunlich wenig präsent.

Rechter Terror oder: Die doppelte Vertuschung

von Thomas Moser

Wenn nun, nach der Ermordung des hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke, von einer „neuen Qualität des rechten Terrors“ die Rede ist, dann handelt es sich dabei um eine gefährliche Begrifflichkeit. Denn sie verharmlost die „alte Qualität“ des rechten Terrors.

Vorbild Stauffenberg?

von Klaus Naumann

Im Rahmen der hitzigen Diskussionen über seine soeben erschienene Stauffenberg-Biographie wartete Thomas Karlauf[1] mit einer Pointe auf, die es in sich hat. Der Graf, so Karlauf, gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“.

Bild: Public Domain

Weimar in Washington: Die Totengräber der Demokratie

von Christopher R. Browning

Immer wieder erreichen mich, einen auf den Holocaust, die Nazi-Diktatur und das Europa der Zwischenkriegszeit spezialisierten Historiker, Fragen nach den Ähnlichkeiten zwischen der heutigen Situation in den USA und der Zwischenkriegszeit sowie dem Aufstieg des Faschismus in Europa.

Der Todesmarsch als Gemeinschaftsverbrechen

von Barbara Distel

Die Erinnerung an die Reichspogromnacht, die sich an diesem 9. November zum 80. Mal jährt und die den Beginn der systematischen Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten markiert, ist fest in der bundesrepublikanischen Gedenkkultur verankert.