Ausgabe März 2003

Die Rückkehr der Caudillos

Populismus und Neopopulismus in Lateinamerika

Lateinamerika befindet sich in einem tief greifenden politischen Umbruch. Die Ereignisse in den drei größten, bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Ländern belegen diese These: Wahlniederlage der dienstältesten Staatspartei der Welt, der Partei der Institutionellen Revolution (PRI) in Mexiko im Juli 2000; Sturz des gewählten Präsidenten de la Rua in Argentinien Weihnachten 2001 und Wahl des früheren radikalen Gewerkschaftsführers und Kandidaten der brasilianischen Arbeiterpartei (PT) Luiz Inácio Lula da Silva als Staatspräsident im November 2002. In Ecuador trat im Januar 2003 mit Lucio Gutiérrez – nach Hugo Chávez in Venezuela 1998 – ein weiterer Linkspopulist die Präsidentschaft an. In Peru ringen verschiedene populistische Tendenzen um die Macht; in Bolivien erzielte der Vertreter der Indígena- Bewegung, Evo Morales, einen unerwarteten Achtungserfolg.

In den in vielerlei Hinsicht völlig verschiedenen Fällen drückt sich ein mehr oder minder klar artikulierter Mehrheitswille für einen Neuanfang aus. Dabei spielte die Unzufriedenheit mit den etablierten politischen Systemen eine erhebliche Rolle. Zudem zielen die sozial- und wirtschaftspolitischen Forderungen der neuen Regierungen auf eine deutliche Kurskorrektur der neoliberalen Orientierung ab.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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