Ausgabe Mai 2003

Ankara in der Zypernfalle

Als Anfang März diesen Jahres die Vermittlungsbemühungen der UN im Zypernkonflikt scheiterten und die türkische Seite als Hauptschuldiger angeprangert wurde, werden Gegner einer EU-Mitgliedschaft der Türkei wie die deutschen Professoren Hans-Ulrich Wehler und Heinrich August Winkler erleichtert aufgeatmet haben. Hatten sie doch vor dem europäischen Gipfel in Kopenhagen im Dezember 2002 ihren kulturellen Überfremdungsängsten Ausdruck verliehen und für den Fall eines türkischen Beitritts schon das "Ende der EU" ausgerufen. Der Untergang des europäischen Abendlandes scheint indessen erst einmal aufgeschoben. Denn mit der fehlgeschlagenen Einigung auf der seit 1974 geteilten Mittelmeerinsel handelte sich die Türkei ein weiteres Hindernis auf dem Weg in die Europäische Union ein, dass sich als weit problematischer als die politischen und ökonomischen Beitrittskriterien erweisen könnte.

Nach jahrelangen ergebnislosen Verhandlungen zwischen griechischen und türkischen Zyprioten über eine Lösung des Konflikts1 machte sich UN Generalsekretär Kofi Annan vor dem Kopenhagener Gipfel die Dynamik zu Nutze, die durch den bevorstehenden EU-Beitritt der Republik Zypern und durch den türkischen Wunsch nach Aufnahme von Beitrittsverhandlungen entstanden war.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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