Ausgabe November 2003

Aus RAF mach BAF

Mitten im bayerischen Landtagswahlkampf informierte Innenminister Günther Beckstein die Öffentlichkeit über einen Ermittlungserfolg gegen rechtsextreme Gewalttäter. Zuvor hatte die Polizei fünf Männer und eine Frau unter dem Verdacht festgenommen, Sprengstoffanschläge vorzubereiten. Anlässlich der für den 9. November 2003 geplanten Grundsteinlegung eines neuen jüdischen Gemeindezentrums in München sollte eine Bombe gezündet werden, hieß es. Bei Haussuchungen wurden 14 Kilogramm sprengstoffverdächtiges Material, darunter 1,7 kg TNT, und eine im Bau befindliche Rohrbombe gefunden, ferner je zwei Handgranaten und Schusswaffen. Im Zentrum der Ermittlungen steht Martin Wiese, ein 27jähriger Neonazi, der vor drei Jahren aus Anklam in Vorpommernnach München gezogen war. Der frühere Aktivist des Kameradschaftsbunds Anklam ist heute die Führerfigur der Neonazi-Gruppe Freie Kameradschaft Süd, die unter anderem wegen ihrer Demonstration gegen die Ausstellung "Verbrechen der Wehrmacht" Aufsehen erregte. Die Ermittlungen führten auch nach Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin; mittlerweile wurden zwölf Haftbefehle ausgestellt.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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