Ausgabe November 2003

Der Weltbürger als Untertan

Von der zwischenstaatlichen zur innergesellschaftlichen Brutalisierung der Politik

Englische und amerikanische Beiträge zur Debatte über den Irakkrieg oder die Neue Weltordnung bedienen sich in letzter Zeit nicht selten originalsprachlich verwendeter deutscher Begriffe, um Angelpunkte ihrer Argumentation zu fixieren. So spricht Ted Honderich in seinem umstrittenen Buch "Nach dem Terror" von "Realpolitik", wenn er das Politikmodell kennzeichnen will, dem seine Kritik gilt.1 In Robert Kagans neokonservativem Manifest der Neuen Weltordnung2 bildet das originalsprachliche Label "Machtpolitik" den Zentralbegriff eines Politikverständnisses, welches in polemischer Entgegensetzung zu verständigungsorientierten Versionen von Politik entwickelt wird. Sogar "Blitzkrieg", Inbegriff Hitler’scher Panzerstrategie und im Schlieffen-Plan als – dann fehlgeschlagener – Eröffnungszug des Ersten Weltkriegs zuerst konzeptualisiert, gelangt als Eckbegriff militärischer Flankierung des neuen Weltverständnisses wieder zu Ehren. So schreibt beispielsweise Max Boot in "Foreign Affairs", dass der schnelle und mit geringen eigenen Opfern erreichte Sieg über den Irak den bisherigen "gold standard of operational excellence" abgelöst habe, den "the German blitzkrieg through the Low Countries and France in 1940" bis dahin gebildet habe.

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Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

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