Ausgabe September 2004

Glasperlenspiel oder Ökonomie

Der Niedergang der Wirtschaftswissenschaften

Den meisten deutschen Zeitungen war eine scheinbar marginale Personalie eine große Schlagzeile wert: Gustav Horn, der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), wird vom amtierenden Präsidenten des DIW, Klaus Zimmermann, gefeuert. Es schien, als ahnten viele Journalisten, dass da etwas Unerhörtes geschah, Porzellan zerschlagen wurde, das nicht mehr leicht zu kitten ist, dass die deutsche Wirtschaftspolitik mit Horn eine der Stimmen verliert, die - im wahrsten Sinne des Wortes - herausragen, weil sie nicht im Chor der anderen untergehen, und dass das Institut, dessen keynesianische Ratschläge über Jahrzehnte die deutsche Diskussion entscheidend mitgestaltet haben, nun dem Mainstream preisgegeben wird.

Begründet wurde der Rauswurf vom derzeitigen Präsidenten vor allem mit Zweifeln an der wissenschaftlichen Reputation von Horn, die wiederum mit einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des Instituts belegt wurden. Im Hintergrund stand dabei sicher die Tatsache, dass das Institut, wie alle anderen empirisch ausgerichteten Institute auch, nun regelmäßig vom Wissenschaftsrat im Hinblick auf seine "wissenschaftliche Leistung" begutachtet wird.

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