Ausgabe März 2006

Kandada: Konservativ auf Bewährung

„Changeons pour vrai!“ – Lasst uns wirklich etwas ändern! Der Sturm des Wandels, den die Konservative Partei mit diesem Slogan in Kanada entfachen wollte, ist zwar ausgeblieben, dennoch ist ihr eine kleine politische Revolution gelungen. Nach 13 Jahren liberaler Vorherrschaft in Ottawa und einer zuletzt schwachen, politisch ideenlosen und in Korruptionsaffären verstrickten Regierung lenkt seit den vorgezogenen Wahlen vom 23. Januar eine konservative Minderheitsregierung mit Stephen Harper an der Spitze die Geschicke des Landes.

Gegen die Regierung des scheidenden Premier Paul Martin, der es nicht nur an einer parlamentarischen Mehrheit, sondern vor allem an Visionen und politischen Konzepten fehlte, hatten die Konservativen im Wahlkampf allerdings auch leichtes Spiel. (Daran konnten auch die hastig verteilten Milliardengeschenke nichts mehr ändern.)

Polterte der neo-konservative Herausforderer Harper zunächst noch kräftig los und startete seinen Wahlkampf mit einem Angriff auf die gleichgeschlechtliche Ehe, dem Willen zur Abwendung vom Kyoto-Protokoll, dem Vorhaben, sich am US-Projekt einer weltraumgestützten Raketenabwehr zu beteiligen und zahlreichen „law-andorder“ Versprechungen, schlug er in der zweiten Hälfte des Wahlkampfes ungleich versöhnlichere Töne an. Aus dem gefürchteten „Bush des Nordens“ wurde plötzlich der große „Integrator“.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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