Ausgabe März 2006

White Australia oder der Krieg der Historiker

Als im Dezember 2005 rassistische Unruhen am Strand von Sydney Schlagzeilen machten, hatte der Begriff „Rasse“ in den australischen Medien Hochkonjunktur. „Rassengewalt“ und „Rassenkrieg“ wurden für die wachsende Angst vor „Rassenunruhen“ verantwortlich gemacht. Stimmen, die diese Begriffswahl kritisierten, waren in der Minderheit. Unter denen, die die Kategorie „Rasse“ in diesem Zusammenhang für unangemessen hielten, war auch der Historiker Keith Windschuttle. Unter der Schlagzeile „Es ist kein Rassenkrieg, es ist ein clash of cultures“machte er die Politik des Multikulturalismus für die Auseinandersetzungen verantwortlich.

Das war einerseits wenig verwunderlich, weil Windschuttle den „postmodernen Kulturrelativismus“ wiederholt für die „Retribalisierung“ der Gesellschaft gescholten und linke Intellektuelle bezichtigt hatte, eine die australische Identität zerstörende Strategie des Multikulturalismus und der Selbstbestimmung der Aborigines ausgeheckt und mit Hilfe willfähriger Labor-Politiker durchgesetzt zu haben.1 Andererseits wandte sich seine Intervention nicht nur gegen zahlreiche konservative Journalisten, sondern auch gegen den Premierminister von New South Wales und seine Kabinettsmitglieder, die alle unbedacht von „Rassenunruhen“ sprächen.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema