Ausgabe Mai 2007

Der Streit um die richtige Solidarität mit Israel

Ethnizität als Religionsersatz

In der Aprilausgabe dieser Zeitschrift umriss Micha Brumlik seinen Standpunkt zum Palästinakonflikt: Die Gründung des Staates Israel habe die „Vertreibung von etwa 700 000 Arabern im Jahre 1948“ beinhaltet; die „Besatzungs- und Siedlungspolitik“ des jüdischen Staats sei „grundsätzlich völkerrechtswidrig“ und „im Einzelnen oft menschenrechtswidrig“; es sei klar, dass „an einer Zweistaatenlösung nichts vorbeiführt“

Das sind klare Worte. Und es sind wahre Worte. Und mit solchen Worten macht man sich in jüdischen Kreisen Deutschlands nicht sonderlich beliebt. Brumlik selbst entging, als er den Libanon-Feldzug 1982 kritisierte, nur mit Mühe einem Ausschluss aus der Frankfurter Jüdischen Gemeinde. Als ich 2006 in einem Brief an meine Kolleginnen und Kollegen im Direktorium des Zentralrats den jüngsten Libanon-Feldzug in Frage stellte, erhielt ich von den Angeschriebenen nur Reaktionen wie diese: „sehr erstaunt [...], dass ausgerechnet Sie [...] viele abgedroschene, antizionistische Argumente von vermeintlichen Israel-Freunden kritiklos übernehmen [...]. Mit Ihrer einseitigen, polemischen Kritik [...] spielen [Sie] allen Feinden Israels direkt in die Hände“. „Ihr Schreiben hat mich [...] verärgert [...]. Sachliche Kritik ist [...] erlaubt. Ihre Anschuldigungen sind jedoch polemisch, hämisch und bar jeglicher Sensibilität.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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