Ausgabe Mai 2007

Wer waren die Nazis?

Günther Oettinger und die gefühlte Geschichte

Wenn Politiker sich über Geschichte äußern, betreiben sie unweigerlich Geschichtspolitik. Ob das fahrlässig geschieht, weil das Geschichtsgefühl eines Ministerpräsidenten es nicht zulässt, sich einen seiner Amtsvorgänger als Nazi vorzustellen, oder absichtsvoll, um die Grenzen des wieder Sagbaren abzuklopfen, sei dahingestellt – der Fall Oettinger zeigt jedenfalls einmal mehr, dass erinnerungskulturelle Landschaften nicht durch kognitives Geschichtswissen allein gestaltet sind, sondern ihre Konturen durch Emotionen und Wünsche an die Vergangenheit bekommt. Deshalb artikuliert sich hier immer auch das Bedürfnis nach einer guten Geschichte, und in einer solchen kommen schlechte Menschen natürlich nicht vor, schon gar nicht, wenn man zu ihnen in einem Verhältnis der Loyalität steht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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