Ausgabe September 2007

Atomkraft: Vom Konsens zum Störfall

Ende Juni waren fast zeitgleich Bilder von zwei AKW-Unfällen in der Bundesrepublik zu sehen: Zum einen sah man eine dicke schwarze Rauchwolke über dem Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg; zum anderen schwelte es im AKW Brunsbüttel. Schlagartig waren sie wieder da, die Erinnerungen an die Katastrophe, an den „größten anzunehmenden Unfall“, dessen Möglichkeit sich die Industrie über zwei Jahrzehnte lang bemüht hatte, der Bevölkerung auszureden. So riefen die Fernsehbilder die verdrängten, aber sehr realen Risiken der Atomenergienutzung wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.

Und tatsächlich war die Gefahr in Krümmel und Brunsbüttel weitaus größer als von der Atomwirtschaft eingestanden. Die AKW-Betreiberfirma Vattenfall und ihre Helfer aus der Atomlobby bemühten sich anfangs – auch durch Verharmlosung der genauen Unfallhergänge – die vorgetragenen Einwände gegen die weitere Nutzung der Atomenergie als zutiefst irrational zu diffamieren. Damit allerdings erreichten sie genau das Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt hatten, so dass schließlich auch der Austausch der Vattenfall-Konzernleitung keinen Befreiungsschlag mehr bedeutete. Denn zu diesem Zeit-punkt hatten die Störfälle in den beiden norddeutschen AKWs längst eine neue Atomkraft-Debatte ausgelöst.

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