Ausgabe August 2008

Kanadischer Interkulturalismus

Gemeinhin wird Kanada als Paradebeispiel für eine multikulturelle Gesellschaft herangezogen, der es gelungen sei, die Integration von Neuankömmlingen erfolgreich zu gewährleisten.

Um so erstaunlicher muss es anmuten, dass eine scheinbar bedeutungslose Initiative eines Kommunalpolitikers in Hérouxville – einer fast durchgängig weißen und französischsprachigen Kleinstadt im Norden der Provinz Québec – einen Prozess in Gang setzte, in dem grundsätzliche Fragen der Integration die kanadische Öffentlichkeit mehr als ein Jahr lang hoch kontrovers beschäftigten. Nachdem die städtische Gemeindeversammlung sich für ein Verbot der Verschleierung des Gesichts und gar der Steinigung von Frauen ausgesprochen hatte (in einer Stadt, in der nahezu keine Muslime beheimatet sind), erlebte Québec eine ganze Reihe juristischer Auseinandersetzungen darüber, wie mit nichteuropäischen religiösen und kulturellen Praktiken umzugehen sei. In den Medien wurden diese Ereignisse rasch zu einer angeblich allgemeinen „Krise der Integration“ hochstilisiert.

Schließlich sah sich der Premier Québecs, Jean Charest, Anfang 2007 genötigt, eine Regierungskommission einzusetzen.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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