Ausgabe Juni 2008

Wie die Lobby Europa regiert

Wie viel Einfluss haben Lobbys auf die Politik? In Berlin wie auch in Brüssel erhitzt diese Frage gegenwärtig die Gemüter. War es in der Bundeshauptstadt der Rechnungshof, der die direkte Einflüsterung von Unternehmensinteressen in Bundesministerien thematisierte, 1 sind es am Hauptsitz der EU-Institutionen vor allem Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die die Entscheidungsfindung der „Blackbox EU“ analysiert haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die organisierten Interessen, insbesondere die Wirtschaftslobby, scheinen nicht nur äußerst effektiv von außen auf europäische Politik Einfluss zu nehmen. Sie gestalten vielmehr die Gesetzesarbeit für fast 500 Millionen Menschen in Europa oft bereits bei ihrer Entstehung mit – als sogenannte Experten und Berater. EU-Kommission und Europäisches Parlament wollen nun mit einem Lobby-Register für mehr Transparenz sorgen.

Mehr als 15 000 Interessenvertreter von Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften oder NGOs arbeiten in Brüssel. Damit ist die Hauptstadt der EU nach Washington der zweitwichtigste Lobby-Platz in der Welt. Auf jeden der 785 Abgeordneten kommen fast 20 Lobbyisten.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

SPD-Parteitag

Bild: imago images / IPON

2020: Jahr des Übergangs, Jahr der Entscheidung

von Albrecht von Lucke

„In die Neue Zeit“ war der SPD-Bundesparteitag Anfang Dezember überschrieben, und tatsächlich steht die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zum ersten Duo an der SPD-Spitze für eine historische Zäsur. Dabei könnte die neue Führung selbst nur ein Übergangsduo sein.

Bild: imago images / Independent Photo Agency Int.

Sardinen gegen Salvini: Protest auf Italienisch

von Andrea Affaticati

Mit diesem Sardinenschwarm, der von Tag zu Tag größer wird und sich von Nord nach Süd über ganz Italien erstreckt, hatte niemand gerechnet. Und schon gar nicht die Politiker. Seit Jahren gab es kein Aufbäumen mehr in der Zivilgesellschaft, als sei diese in Schockstarre verfallen.

Indische Soldaten

Bild: imago images / Hindustan Times

Das Ende des indischen Traums

von Arundhati Roy

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern: Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus – und zwar mit allen Mitteln.