Ausgabe Juni 2008

Wie die Lobby Europa regiert

Wie viel Einfluss haben Lobbys auf die Politik? In Berlin wie auch in Brüssel erhitzt diese Frage gegenwärtig die Gemüter. War es in der Bundeshauptstadt der Rechnungshof, der die direkte Einflüsterung von Unternehmensinteressen in Bundesministerien thematisierte, 1 sind es am Hauptsitz der EU-Institutionen vor allem Nichtregierungsorganisationen (NGOs), die die Entscheidungsfindung der „Blackbox EU“ analysiert haben. Das Ergebnis ist ernüchternd: Die organisierten Interessen, insbesondere die Wirtschaftslobby, scheinen nicht nur äußerst effektiv von außen auf europäische Politik Einfluss zu nehmen. Sie gestalten vielmehr die Gesetzesarbeit für fast 500 Millionen Menschen in Europa oft bereits bei ihrer Entstehung mit – als sogenannte Experten und Berater. EU-Kommission und Europäisches Parlament wollen nun mit einem Lobby-Register für mehr Transparenz sorgen.

Mehr als 15 000 Interessenvertreter von Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften oder NGOs arbeiten in Brüssel. Damit ist die Hauptstadt der EU nach Washington der zweitwichtigste Lobby-Platz in der Welt. Auf jeden der 785 Abgeordneten kommen fast 20 Lobbyisten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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