Ausgabe September 2008

Irak: Klientelpolitik als Flüchtlingsschutz

Der Exodus mehrerer Millionen Menschen aus dem Irak hat sich mittlerweile zur größten Flüchtlingsbewegung im Nahen Osten seit der Staatsgründung Israels entwickelt. Dies hat nicht nur zu erheblichen realpolitischen Verwerfungen in der Region geführt, sondern in der Bundesrepublik und auf europäischer Ebene auch eine kontroverse Debatte in Gang gesetzt.

Die kürzlich auf September verschobene Entscheidung über den Vorschlag des Bundesinnenministers, bis zu 20 000 irakische Christen in Deutschland aufzunehmen, ist das jüngste Beispiel für diese Entwicklung. Obwohl internationales Engagement zur Lösung der anhaltenden humanitären Krise in der Region prinzipiell zu begrüßen ist, beruhen derlei Vorschläge jedoch auf einer Wahrnehmung des Irakkonflikts, die an der Wirklichkeit im Land weitgehend vorbeigeht.

Der unter anderem auf Initiative der christlichen Kirchen erarbeitete Vorschlag, in erster Linie christliche Iraker aus Syrien und Jordanien langfristig nach Deutschland zu evakuieren, scheint auf den ersten Blick durchaus sinnvoll. 1 Eine genauere Analyse der Situation vor Ort lässt den – sicherlich gut gemeinten – Vorschlag jedoch in einem anderen Licht erscheinen. Zu kritisieren ist er aus den folgenden Gründen:

Erstens sollte internationaler Schutz von Flüchtlingen auf objektiven und überparteilichen Kriterien beruhen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Kundgebung/Menschenkette um den Kölner Dom Frauen-Initiative Maria 2.0

Bild: imago images / Herbert Bucco

Maria 2.0: Götterdämmerung auf Katholisch

von Britta Baas

Die Initiative Maria 2.0 will in der katholischen Kirche das Unterste zu oberst kehren. Die Aktivistinnen wissen: An der Frauenfrage hängt die Reform der Kirche. Und ihre Lösung bedeutet den Untergang der alten katholischen Welt – und markiert den Aufbruch in eine neue Zeit.