Ausgabe Juni 2009

Die japanische Nachkriegsaufklärung und die Rolle von Jürgen Habermas

Öffentliche Diskussionen finden heute noch immer weitgehend im nationalen Rahmen statt. Oft sind die Kategorien in unterschiedlichen Ländern anders konnotiert, auch wenn sie etymologisch aus einer gemeinsamen Wurzel stammen oder lexikalisch „korrekte“ Übersetzungen darstellen. Zudem sind auch die jeweiligen Hintergrunderfahrungen und Argumentationswei-sen anders geartet. Sie wirken aus der Außensicht oft befremdlich. Und auch der sogenannte Zeitgeist tritt jeweils in einem anderen Gewand auf.

Dennoch zeigen sich neben zu erwartenden Unterschieden manchmal auch frappierende Ähnlichkeiten. Jürgen Habermas spricht deshalb von der „Transnationalisierung der bestehenden nationalen Öffentlichkeiten“ und skizziert eine (zukünftige) globale Öffentlichkeit, in der „die Grenzen der nationalen Öffentlichkeiten [...] dadurch gleichzeitig zu Portalen wechselseitiger Übersetzungen“ werden. 1 Der folgende Essay will am Beispiel der in Japan seit 1945 geführten öffentlichen Diskurse über die Moderne und Modernisierung Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Deutschland und Japan aus ideenpolitischer Sicht skizzieren und gleichzeitig eine transnationalisierende Übersetzung im obigen Sinne versuchen – unter Berücksichtigung der besonderen Rolle von Jürgen Habermas in der japanischen Debatte.

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In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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