Ausgabe März 2009

Postmoderner Kommunismus

Die ganze Wahrheit: Als Philosoph des „schwachen Denkens“ und als Christ bin ich wieder Kommunist geworden.

Wir beginnen gerade eben, die Notwendigkeit zu entdecken, dass wir einen Kommunismus ohne den Mythos des wirtschaftlichen Wachstums brauchen, auch ohne den damit verbundenen Glauben an eine „wissenschaftlich“ garantierte sozialistische Wirtschaft – gerade jetzt, in einer Welt, in der das Wachstum uns zu strangulieren beginnt.

Wenn Stalin sich der Transformation der sowjetischen Gesellschaft gewidmet hätte, ohne sie wie ein Wahnsinniger zu industrialisieren, hätte er zwar in den 50er Jahren nicht den Wettlauf ins All gewonnen, aber er hätte viele Leben gerettet. Ich weiß wohl, dass die Irrtümer und Schrecken des realen sowjetischen Kommunismus und danach auch des chinesischen nicht gänzlich mit dem noch immer „metaphysischen“ Charakter der Marxschen Theorie erklärt werden können. Dennoch fällt es nicht schwer zu bemerken, dass das sowjetische Regime auch eine Folge des Marxismus war, der als dogmatische Philosophie der Geschichte der Emanzipation aufgefasst wurde. Marx plus Lenin und Stalin kann man höchstens mit einem Hegel vergleichen, der – wie Marx es ja auch vorschlug – auf die Füße gestellt und eine Realität wird, die aus reiner und simpler idealistischer Philosophie besteht.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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