Ausgabe März 2009

Postmoderner Kommunismus

Die ganze Wahrheit: Als Philosoph des „schwachen Denkens“ und als Christ bin ich wieder Kommunist geworden.

Wir beginnen gerade eben, die Notwendigkeit zu entdecken, dass wir einen Kommunismus ohne den Mythos des wirtschaftlichen Wachstums brauchen, auch ohne den damit verbundenen Glauben an eine „wissenschaftlich“ garantierte sozialistische Wirtschaft – gerade jetzt, in einer Welt, in der das Wachstum uns zu strangulieren beginnt.

Wenn Stalin sich der Transformation der sowjetischen Gesellschaft gewidmet hätte, ohne sie wie ein Wahnsinniger zu industrialisieren, hätte er zwar in den 50er Jahren nicht den Wettlauf ins All gewonnen, aber er hätte viele Leben gerettet. Ich weiß wohl, dass die Irrtümer und Schrecken des realen sowjetischen Kommunismus und danach auch des chinesischen nicht gänzlich mit dem noch immer „metaphysischen“ Charakter der Marxschen Theorie erklärt werden können. Dennoch fällt es nicht schwer zu bemerken, dass das sowjetische Regime auch eine Folge des Marxismus war, der als dogmatische Philosophie der Geschichte der Emanzipation aufgefasst wurde. Marx plus Lenin und Stalin kann man höchstens mit einem Hegel vergleichen, der – wie Marx es ja auch vorschlug – auf die Füße gestellt und eine Realität wird, die aus reiner und simpler idealistischer Philosophie besteht.

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