Ausgabe Mai 2009

Das Menetekel von Köln

Als am 3. März das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte, wurde dies völlig zu Recht als Menetekel mit weit über Köln hinausreichender Bedeutung wahrgenommen. Der Einsturz demonstrierte die ganze Geschichtslosigkeit, die die politisch Verantwortlichen in weiten Teilen dieses Landes an den Tag legen – auch und gerade in Köln. Hier ereignete sich ein Lehrstück kommunalen Versagens.

Am Anfang stand die falsche Verkehrspolitik. Fest steht: Der Einsturz hätte vermieden werden können, wenn nicht der Kölner Rat eine falsche, rückwärtsgewandte und überteuerte verkehrspolitische Entscheidung getroffen hätte. Seit den 80er Jahren ist die U-Bahn in der aufgeklärten Verkehrswissenschaft als Irrweg anerkannt: Aufwand und Nutzen stehen in einem krassen Missverhältnis. Das oft geäußerte Argument, die U-Bahn werde den Verkehr beschleunigen – in Köln für die Nord-Süd-Linie um ganze acht Minuten –, trifft lediglich für die Betriebsgeschwindigkeit zu. Denn der Zeitaufwand, um zu einer Haltestelle zu gelangen, ist oft weitaus höher – aufgrund weit auseinanderliegender Haltestellen und weiter Tunnelwege zur Erreichung des Bahnsteig. 1

In erster Linie wurde die Kölner U-Bahn gebaut, um oberirdisch für den motorisierten Individualverkehr mehr Raum zu haben und ihn nicht durch den Öffentlichen Personennahverkehr einzuengen. Insofern war sie die logische Ergänzung zur Autogesellschaft.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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