Ausgabe Mai 2009

Das Menetekel von Köln

Als am 3. März das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte, wurde dies völlig zu Recht als Menetekel mit weit über Köln hinausreichender Bedeutung wahrgenommen. Der Einsturz demonstrierte die ganze Geschichtslosigkeit, die die politisch Verantwortlichen in weiten Teilen dieses Landes an den Tag legen – auch und gerade in Köln. Hier ereignete sich ein Lehrstück kommunalen Versagens.

Am Anfang stand die falsche Verkehrspolitik. Fest steht: Der Einsturz hätte vermieden werden können, wenn nicht der Kölner Rat eine falsche, rückwärtsgewandte und überteuerte verkehrspolitische Entscheidung getroffen hätte. Seit den 80er Jahren ist die U-Bahn in der aufgeklärten Verkehrswissenschaft als Irrweg anerkannt: Aufwand und Nutzen stehen in einem krassen Missverhältnis. Das oft geäußerte Argument, die U-Bahn werde den Verkehr beschleunigen – in Köln für die Nord-Süd-Linie um ganze acht Minuten –, trifft lediglich für die Betriebsgeschwindigkeit zu. Denn der Zeitaufwand, um zu einer Haltestelle zu gelangen, ist oft weitaus höher – aufgrund weit auseinanderliegender Haltestellen und weiter Tunnelwege zur Erreichung des Bahnsteig. 1

In erster Linie wurde die Kölner U-Bahn gebaut, um oberirdisch für den motorisierten Individualverkehr mehr Raum zu haben und ihn nicht durch den Öffentlichen Personennahverkehr einzuengen. Insofern war sie die logische Ergänzung zur Autogesellschaft.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema Demokratie

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

Führungsfetisch statt Bürgernähe

von Markus Linden

Der rasende Autoritäts- und Machtverlust, den die Union und der Bundeskanzler binnen nicht einmal zwei Jahren an der Regierung erlitten haben, erklärt sich nicht zuletzt durch Friedrich Merz’ Führungsstil. Merz setzt ganz auf cäsaristische Anweisung von oben.