Ausgabe November 2009

Vom Verlierer nicht lernen, heißt verlieren lernen

Es ist gut für die Deutschen in West und Ost, dass sich die früheren Bewohner der DDR seit einer Weile gegen die Besatzer- und Siegerpolitik der Westdeutschen zu wehren beginnen und mehr und mehr Bücher zu diesem Thema erscheinen. Eine der Vorkämpferinnen ist Daniela Dahn; schon 1996 erschien ihr Erfolgsbuch „Westwärts und nicht vergessen“. Damals wurde sie im letzten Kapitel etwas optimistisch und schwärmte von den unabhängigen Gerichten, der Rechtssicherheit und vom „Sich-Einmischen-Können“, das zu den „vereinigungsbedingten Errungenschaften“ gehöre, „die ausgesprochenes Behagen bereiten“.

2009 ist Daniela Dahn auch das partielle Behagen gründlich vergangen. Sie hat, obwohl von „drüben“, ohne Schaum vor dem Mund ein vorzügliches Buch geschrieben, das sich in erster Linie mit der These beschäftigt: „Vom Verlierer nicht lernen, heißt verlieren lernen“.

Aber wie sollten die alten Bundesrepublikaner etwas lernen können oder wollen, da sie von der DDR doch fast gar nichts wussten, nichts wissen wollten, und von „Wiedervereinigung“ nur sprachen, weil sie sicher waren, dass sie nicht kommen würde? Als sie dann aber doch über Nacht kam, belehrten sie die in der „Zone“, wie sie 45 Jahre hätten leben sollen – für sie hatte die DDR in all diesen Jahren fast nur aus Stasi und SED-Terror bestanden, nicht aber auch als ein Land, in dem es dies zwar gab, aber auch ein ganz normales Leben.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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