Ausgabe September 2009

Das lange Leben des preußisch-deutschen Militarismus

Der 1. September ist zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Deutschland seit 1957 „Antikriegstag“, der dritte Dienstag im September zu Ehren der Eröffnung der UN-Generalversammlung „Weltfriedenstag“ (in Japan ist es zur Erinnerung an Hiroshima der 6. August) – könnte es da ein wichtigeres „Buch des Monats“ geben als Wolfram Wettes mahnendes „Militarismus in Deutschland. Geschichte einer kriegerischen Kultur“?

Liest man dieses Werk des wohl engagiertesten Kenners der militärischen Dimensionen deutscher Zeitgeschichte im 20. Jahrhundert vor dem Hintergrund der eindrucksvollen Widerstandsbiographien einfacher Menschen, so vergrößert sich der Respekt, den man vor den soeben rehabilitierten Militarismus-Dissidenten, den sogenannten Kriegsverrätern, haben muss. So unerbittlich und überwältigend war die auf das Militär zugeschnittene Ideologieproduktion, mit der die deutsche Gesellschaft dem neuen Nationalstaat gefügig gemacht und eingepasst wurde, dass jeder Dissident fast wie ein Wunder erscheinen muss. Und doch sind es gerade diese vielen Einzelnen, die uns Deutsche von dem bösen Ruf erlösen, ein Volk nur von Tätern und Mitläufern gewesen zu sein. Sie waren indes nicht die „Dichter und Denker“, nicht die Gebildeten und Großen der deutschen Gesellschaft, sondern ganz überwiegend einfache Menschen aus dem Volke. Der Militarismus als Lebensform und stabilisierendes Wertesystem war seit der zweiten Hälfte des 19.

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