Ausgabe April 2010

Die Verwilderung der Niederlande

In den Niederlanden zerfiel in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar auch das vierte Kabinett unter Ministerpräsident Jan Peter Balkenende. Ausgelöst wurde der Bruch der Koalition aus Balkenendes Christdemokraten (CDA), den Sozialdemokraten (PvdA) und der rechtskonfessionellen Christenunie (CU) durch die unterschiedliche Haltung der Regierungsparteien zum niederländischen Afghanistaneinsatz. Während die Sozialdemokraten sich weigerten, diesen über den vereinbarten Termin bis Ende 2010 hinaus zu unterstützen, wollten sich Christdemokraten und Christenunie alle Möglichkeiten – also auch ein etwaiges längeres militärisches Engagement in der Provinz Urusgan – offenhalten.

Allem Anschein nach hat Wouter Bos, der PvdA-Parteivorsitzende und Finanzminister, bewusst auf den Koalitionsbruch hingesteuert. Der Grund hierfür dürfte im beständigen Umfragetief seiner Partei liegen. Offenbar versuchen die Sozialdemokraten, die den niederländischen Afghanistaneinsatz bislang mitgetragen haben, durch diesen Schachzug Stimmen in ihrer traditionellen Anhängerschaft zurückzugewinnen, der sie sich in den vergangenen Jahren – ähnlich wie die SPD in der Bundesrepublik – durch marktliberale Reformen zusehends entfremdete. Prompt zeigten denn auch die Umfragewerte seit dem Fall der Regierung einen leichten Popularitätsanstieg.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

SPD-Parteitag

Bild: imago images / IPON

2020: Jahr des Übergangs, Jahr der Entscheidung

von Albrecht von Lucke

„In die Neue Zeit“ war der SPD-Bundesparteitag Anfang Dezember überschrieben, und tatsächlich steht die Wahl von Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans zum ersten Duo an der SPD-Spitze für eine historische Zäsur. Dabei könnte die neue Führung selbst nur ein Übergangsduo sein.

Bild: imago images / Independent Photo Agency Int.

Sardinen gegen Salvini: Protest auf Italienisch

von Andrea Affaticati

Mit diesem Sardinenschwarm, der von Tag zu Tag größer wird und sich von Nord nach Süd über ganz Italien erstreckt, hatte niemand gerechnet. Und schon gar nicht die Politiker. Seit Jahren gab es kein Aufbäumen mehr in der Zivilgesellschaft, als sei diese in Schockstarre verfallen.

Bild: imago images / Xinhua

Großbritannien: Die Entscheidungsschlacht der Populisten

von Michael R. Krätke

Nun wählen sie also doch noch: Am 12. Dezember, kurz vor Weihnachten, werden die Briten erneut an die Urnen gebeten – ein für Großbritannien höchst ungewöhnlicher Wahltermin. In den dunklen und kalten Wochen vor Weihnachten auf Kampagnentour zu gehen, das mögen die Aktivisten aller Parteien nicht besonders. Ebenso wenig wie die Wähler.